
Der Wohnungswahnsinn
und man mittendrin.
Wo soll der ich bin
bloß hin.
Bin einer von Massen
in Straßen, in Gassen,
die Unterkunft suchen,
heulen und fluchen.
Doch vieles ist voll
mit Möbeln von Knoll.
Man macht sich zum Affen,
während Makler gaffen,
als wäre man Dreck.
Die Hose zwar heil,
aber doch nicht geil,
man spürt den Blick
im Genick.
Noch kann ichs nicht glauben
hoch hängen die Trauben
im Mietkarussell,
auch sonst generell.
Jeder weiß genau
sozialer Wohnungsbau
seit Jahrzehnten mau.
Wohnen gehört doch zum Leben
Also muss es das geben.
Ich weiß, dass
ich anfangs dachte:
Ach was,
Wohnungsknappheit,
ich bin bereit.
Man muss es wagen,
nicht gleich verzagen.
Toll, Südstadt zwei Zimmer,
es geht doch schlimmer
gar nicht schlecht,
mit Döner noch schöner,
auch die Lage ist recht.
Buntgemischt und heiter
auf der Wohnungsleiter.
Ich wusste zwar,
Wohnungen sind rar,
der Markt, der schrumpft,
Makler abgestumpft,
Vermieter renditegeil.
Und schon war ich Teil
im Mieterreigen.
Will nicht verschweigen,
dass mir die Augen rollten,
weil ich nicht glauben wollte,
als ich um die Ecke gehe
und die lange Schlange sehe,
die vor meinem Hause steht.
Ich bin Nummer neununddreißig.
Es dauert jedenfalls, das weiß ich.
Ich spüre Wohnungsmangel,
hänge mit an der Angel
der steigenden Mieten.
Was kann ich bieten?
Ist der Hoody gut genug,
war Ökonomiestudent klug?
Denn so einer muss wissen
bei Nachfrage wird der Preis verschlissen.
Und das führt zum Mietenwahnsinn.
Aber wo sollen wir hin?
Ich denke an Bauwagen
müsst mich nicht plagen.
Ein soziales Land
kennt keinen Leerstand.
Wohnen ist Menschenrecht
Unter der Brücke schläfts sich schlecht.
Wohnen gehört zum Leben
also muss es das geben
Jetzt stehen wir
Nicht vor Nummer 4
sondern vor Nummer 76/78.
Alles blickdicht.
Hier gilt nicht
was sich neckt, das liebt sich.
Hier liebt oder neckt sich keiner mehr.
Das Haus steht schon lange leer.
Eigentümer haben sich abgesetzt,
ihre Sorgfaltspflicht verletzt,
niemand weiß, sie zu erreichen,
um die Kosten zu begleichen.
Fenster vernagelt,
Rendite verhagelt.
Aber wo bleibt das Gewissen?
Wie soll man wissen
wie Menschen sich fühlen,
wenn nebenan Kakerlaken wühlen?
Der zuständige Verwaltungsrat
verwirrt vom Bürokratiespagat
hat die Eingaben geschreddert.
Zerfleddert fliegen sie gelassen
nun durch Südstadtgassen
an Döner und Schauburg vorbei
fühlen sich frei.
Wenn Regierungsgeschäfte ruhn,
dann sollten wir etwas tun.
Nicht irgendwann. Oder dann. Jetzt.
Möglichst gut vernetzt.
Denn wohnen gehört zum Leben
also muss es das geben!
Autorin
Sigrid Kleinsorge
Randnotiz
Der Text erwähnt an einer Stelle die „Nummer 76/78“. Das ist eine Anspielung an die Mietshäuser Werderstraße 76/78, die seit mehreren Jahren leerstehen.

